Die Nymphe und der Wanderer
Gespielt am 1. Januar 2007 (Sylvestercon), mit Debbie (SL), Struppi (Cadfannen), Dominik Niederhoff (Panthei), Yvonne (Bruder Domenikus) und Andreas Jellinghaus (Alan)
Contents
Die Herausforderung
Es war Frühjahr, und Gaius weilte am Hofe von Cairleon. Gerade hatte er vom Seneschall des Hochkönigs den Auftrag bekommen, für den königlichen Stall mehrere Pferde eines Züchters in Chester auszusuchen, eine Aufgabe, der er gerne nachkam. Als er die Stufen des Verwaltungsgebäudes herunter kam, hörte er einenTumult bei den Reitplätzen: Menschen riefen durcheinander, und dazwischen der wütende Schrei eines Hengstes, den Gaius sofort erkannte. Ceincaled.
Er rannte, was ihn seine kurzen Römerbeine trugen, hinunter. Er konnte sich gut vorstellen, was passiert war: er hatte seinen bisherigen Knappen und früheren Pferdejungen Levellien mit nach Cairleon gebracht, damit er dort eine weitere Ausbildung erhalte und bei einem Mönch Lesen und Schreiben lerne. Damit war sein zuweilen etwas launisches Streitross Ceinladed in der Obhut der höfischen Pferdejungen, die die Eigenarten des Pferdes nicht so gut kannten. Als Gaius am Ort des Geschehens eintrag, sah er gerade noch, wie sich Ceincaled aufbäumte, von einem Pferdeburschen losriss und einige Sprünge am Ufer des kleinen Kanals entlanggaloppierte. Glücklicherweise stand weiter unten ein Ritter.
"Haltet das Pferd!", rief der Pferdejunge.
Doch als der Ritter das Pferd erblickte, erbleichte er und wich panisch einige Schritte zurück. Dann verlor er das Gleichgewicht auf der steilen Böschung und stürzte ins Wasser. Ceincaled hielt an und sah neugierig hinterher, und die inzwischen zahlreich hinzugelaufenen Zuschauer lachten herzlich.
Nun war auch Gaius endlich am Ufer angekommen. "Bleibt zurück, das ist mein Pferd!", rief er den Gaffern zu. Von der anderen Seite des Kanals warf ein geistesgegenwärtiger Page ein Seil ins Wasser. Der Ritter hatte sich nicht verletzt und konnte so an Land gelangen. Dort zog er sich ein paar Algen aus den ehemals prächtigen Locken, richtete sich zu seiner stattlichen Größe auf, und drehte sich um. Das Lachen der Leute erstarb, als sie sein vor Wut erstarrtes Gesicht sahen.
Gaius war inzwischen langsam auf Ceincaled zugegangen und hatte die Zügel ergriffen. Ein paar Apfelschnitze aus seiner Tasche versicherten dem Pferd seine Freundschaft, und es stand friedlich neben ihm.
"Ist das Euer Pferd?", fragte der Ritter auf der anderen Seite mit zitternder Stimme.
Gaius nickte. "So ist es. Verzeiht, dass es –"
"SO EINE GEMEINGEFÄHRLICHE BESTIE BRINGT IHR AN DEN HOF DES KÖNIGS?", donnerte der andere zurück. "Es hätte Tote geben können!"
"Mein Name ist Sir Gaius, Lord von Castle Meaddy." Gaius deutete eine leichte Verbeugung an. "Wollt ihr nicht herüber kommen, dass wir die Angelegenheit in Ruhe besprechen können?"
Der andere Ritter schnaubte. "Ich bin Sir Simon de Groeneberg … Und nein, ich werde keinen Fuß auf das andere Ufer setzen, solange dieses mordlüstige Monster dort sein Unheil treibt!"
Nun verlor auch Gaius langsam die Geduld. "Sir Groeneberg, ich bitte euch! Ein Schlachtross ist doch kein Schoßhündchen! Ceincaled mag etwas temperamentvoll sein, aber ich versichere euch, er wird nun keinen weiteren Aufstand machen. Und das mordlüstige Monster nehmt ihr lieber wieder zurück, denn eine solche Beleidigung werde ich für meinen treuen Begleiter nicht dulden."
"Ihr habt doch selbst gesehen, wie er mich in den Kanal geworfen hat!"
"Ich habe nur gesehen, wie ihr selbst hineingestolpert seid."
"Weil euer mordlüstiges Monster mich sonst über den Haufen gerannt hätte!"
"Was für ein Ritter seid ihr denn, dass ihr vor einem Pferd scheut?" Und in dem Moment, da Gaius diesen Satz ausgesprochen hatte, wusste er, dass er zuweit gegangen war.
Sir Groeneberg japste noch ein paar Mal nach Luft, dann zerrte er einen nassen Handschuh von seinen Fingern und warf ihn über den Kanal, so dass er direkt vor Gaius ins Gras klatschte. Ceincaled scheute zurück und schnaubte, und die inzwischen zahlreich zusammengelaufenen Gaffer raunten Anerkennung für den gelungenen Wurf.
"Sir Gaius, dafür fordere ich Genugtuung! Für eure Worte und die Rücksichtslosigkeit eures Gauls!", rief der Ritter nun über den Kanal.
"Dann sollt ihr sie haben!", rief Gaius zurück. Und da er als Herausgeforderter die Wahl der Waffen hatte, setzte er hinzu: "Wir sehen uns dann morgen früh auf dem Turnierplatz – zum Tjost!"
"Ich akzeptiere eure Wahl", antwortete sein Gegner, "aber nur, wenn ihr den Kampf ohne diese Bestie bestreitet."
Gaius war schon lange nicht mehr mit einem anderen Ross in die Schlacht geritten, aber hier zu Hofe sollte sich ein anderes Reittier auftreiben lassen. "So soll es sein!"
Das Duell
Nächster Morgen – drei Lanzengänge. Beim ersten trifft keiner der beiden, beim zweiten trifft Grunenberg und hebt Gaius fast aus dem Sattel (weil das geliehene Ross einen Tick zu langsam ist). Beim dritten Lanzengang treffen beide und gehen vom Pferd. Dabei splittert Gaius Lanze und bohrt sich tief zwischen zwei Rüstungsringen in Grunenbergs Brust.
Der Knappe
Sobald ihn Levellian aus seiner Rüstung geschält hatte, eilte Gaius zum Hospiz. Er musste warten, bis ihn die Heiler endlich an das Krankenbett von Sir Groeneberg ließen, denn seine Verletzung war kompliziert: die Lanzenspitze musste vorsichtig herausoperiert werden, ohne dass innere Organe dabei verletzt wurden. Erst am Nachmittag wurde er endlich vorgelassen.
"Ach, ihr seid es", begrüßte ihn Groeneberg müde. Die lange Operation und der Blutverlust hatten ihn sehr erschöpft, und die Feindseligkeit war verschwunden.
Gaius zog sich einen Schemel heran und setzte sich neben das Bett. "Wie geht es Euch?"
"Ging mir schon besser", antwortete der Ritter und lachte trocken.
"Sir Groeneberg, ich bedaure diesen Ausgang unseres Kampfes außerordentlich", sagte Gaius. "Da Ihr mich in diesem fatalen Lanzengang ebenfalls vom Pferd gestoßen hattet, ohne mich jedoch ernsthaft zu verletzen – was das Ziel bei einem solchen Duell sein sollte! – bin ich auch gerne bereit, euch als Sieger voll und ganz anzuerkennen."
Groeneberg winkte ab. "Ach was. Wartet nur, bis ich wieder auf den Beinen bin, dann klären wir das richtig – mit Holzschwertern und Punktsieg. Was haltet ihr davon?"
"Wie ihr wünscht. Ich stehe jederzeit zu Eurer Verfügung. Gibt es irgendetwas, das ich für euch tun kann, um meine Verfehlungen Euch gegenüber abzutragen?"
"Mhm – doch, da gäbe es etwas. So wie es aussieht, werde ich einige Zeit hier im Hospiz verbingen. Ich habe einen Knappen, Cadfaennan, dessen Ausbildung ich in der Zeit wohl vernachlässigen müsste. Könntet Ihr euch wohl etwas um ihn kümmern?"
"Natürlich! Nun, es ist so, dass ich morgen im Auftrag des Hofes nach Chester reise, um dort einige Pferde einzukaufen."
"Dann nehmt ihn doch mit. Unterwegs lernen sie sowieso am meisten. Und es gibt hier wohl kaum jemand, bei dem er mehr über Pferde lernen könnte, als euch."
"Dann übernehme ich diese Pflicht gerne für euch. Soll ich es ihm sagen oder wollt ihr das selbst tun?"
"Das mache ich, ich wollte ihn sowieso gleich rufen lassen."
Gaius erhob sich. "Gut. Er soll sich dann morgen nach dem Frühstück beim Sattelplatz einfinden, damit wir bald aufbrechen können."
Am nächsten Morgen Szene im Stall, Aufbruch aus Cairleon in den Norden.
Der Awanc
Cadfannen am See, sieht Peithan und rettet ihn vor dem Awanc.
Die Rast
Gaius saß unter einem Felsvorsprung und schnitt das getrocknete Fleisch aus ihrem Reiseproviant mit dem Dolch seiner Mutter in Streifen. Obwohl das Wetter denkbar ungemütlich war – es goß in Strömen, und unberechenbare Windstöße trieben einem immer wieder das kalte Nass unter den Umhang – fühlte er sich wohl: der Ort erinnerte ihn an einen Unterschlupf im Avontal, den er als Junge bei seinen Streifzügen mit seinem Pony Wish häufig besucht hatte. Er hatte eine Zeltplane vor die Felsniesche gespannt, um das Wetter draußen zu halten. Weiter unten dösten die Pferde im Windschatten des Steilhangs, und Cadfannan würde hoffentlich bald mit mehr Feuerholz zurückkommen. Ein paar Rettiche und einen Beutel Gewürze hatte er auch dabei. Und mit einem warmen Stew im Magen würde die Welt noch um einiges besser aussehen. Die Gegend hatte es auch nötig: der Wald sah irgendwie krank aus, vermodert und voller Schlingpflanzen, Totholz und welkes Gestrüpp.
Vom schmalen Pfad her, der vom Hauptweg hinauf zu seinem Unterschlupf führte, hörte er eine Stimme. "Komm schon, mein Guter. Gleich haben wir es geschafft. Nur noch ein paar Meter, dann kannst du dich ausruhen."
Gaius spähte hinter der Plane hervor und sah einen untersetzten Mönch, der einen unwilligen Esel hinter sich herzog. Doch als er eine Mohrrübe aus der Tasche zog, trabte das Tier auf einmal los und gesellte sich schließlich zu Ceincaled und den beiden Zeltern.
"Seid gegrüßt, Bruder!", rief der Mönch hinauf. "Dürften wir uns wohl bei Eurem Rastplatz unterstellen?"
Gaius stand erfreut auf. Einen Mann der Kirche hatte er in dieser heidnischen Gegend nicht erwartet. "Aber natürlich! Kommt ruhig herein. Mein Name ist Sir Gaius, und sobald mein Knappe Cadfannan mit dem Feuerholz zurück ist, kann ich Euch sogar auf eine warme Mahlzeit einladen."
Die etwas dümmliche Miene des Mönchs hellte sich auf. "Dem Herrn sei's gedankt! Mein Name ist Bruder Domenikus, und ich nehme Euer freundliches Angebot gerne an." Er schüttelte den Regen aus seinem Überwurf, kümmerte sich zunächst um seinen Esel, brachte eine große Drehleier mit ins Trockene und setzte sich zu Gaius an das kleine Feuer. "Kann ich Euch helfen? Ich habe noch ein paar Mohrrüben."
"Die passen sicher gut in den Stew."
Bruder Domenikus war ebenso wie Gaius unterwegs in den Norden, zur Roten Burg, wo in zwei Tagen ein kleines Turnier stattfinden sollte. "Dort können sie geistlichen Beistand sicherlich gebrauchen!", meinte er. Gaius pflichtete ihm bei, auch wenn er insgeheim nicht glaubte, dass der Bruder bei den Kelten hier viel Erfolg haben würde. Trotzdem wünschte er ihm alles Gute. Das Turnier wäre sicher auch etwas für Cadfannan, dachte er gerade, als er Hufschlag auf dem Weg hörte, diesmal aus Norden.
Es war ein Reiter, der den Waffenrock von Sir Giselher von der Roten Burg trug. Gaius trat vor die Zeltplane, und lud auch diesen Besucher zu seinem Rastplatz ein. Es war Alan, Seneschall der Roten Burg, auf dem Weg in das nächste Dorf Waterford, wo es ein sehr gutes Gasthaus mit dem Namen "zum Güldenen Horn" geben sollte. Alan erzählte, dass die Baronie schon seit letzten Herbst und Winter von sehr schlechtem Wetter und folgender schlechter Ernte geplagt worden war, so dass sie sogar Korn von den Nachbarn einkaufen mussten.
Und schließlich kam endlich Cadfannan den Weg herunter. Er war patschnass und verschlammt, und nicht allein: neben ihm ging ein ebenso nasser und verdreckter Pikte, der nur eine Hose und Weste an hatte, über dem Arm seine restliche Kleidung und am Gürtel ein langes Messer trug. Gaius nahm sein Schwert zu sich, das er zum Rasten abgelegt hatte, und musterte Cadfannans Körperhaltung: sein Knappe trug Holz mit sich und wirkte erschöpft, aber nicht sehr angespannt. Zumindest er erwartete von dem Pikten keine Gefahr.
"Sir Gaius!", rief Cadfannan, als sie den Pfad bis zum Felsüberhang heraufgekommen waren. "Verzeiht, dass ich so spät komme. Das ist Peithan. Ich habe ihn im Wald aus einem See herausgezogen, wo er von einem Hecht gebissen wurde. Ich habe ihn eingeladen, mit uns zu essen." Der Pikte runzelte bei diesen Worten die Stirn, und sagte dann: "Seid gegrüßt. Euer Knappe war so freundlich, mir zu helfen. Dürfte ich an Euer Feuer kommen, um meine Sachen zu trocknen und mich etwas auszuruhen?"
Gaius war der weitere Besucher zwar nicht ganz geheuer, aber er nickte und trat einen Schritt zur Seite, um Peithan in den Unterschlupf zu lassen. Cadfannan flüsterte er zu: "In den Satteltaschen ist ein frischer Waffenrock." Der Knappe legte das Holz ab und verschwand zu den Pferden, um sich umzuziehen.
Peithan tat dies direkt am Feuer. Seine Brust war mit blauen Mustern tätowiert. Er zog Weste und Hose aus und eine braune Robe über, die Gaius inzwischen als die eines Druiden erkannte.
Geschichte von Peithan und Cadfannan (Der Awanc) Plan: sie treffen sich morgen wieder hier, um den Awank zu töten. Vorher möchte jedoch Gaius den See sehn.
Alan erzählt von dem Mord am Wanderer.
Der See
Sie brachen aus dem verfilzten Unterholz auf eine Lichtung, in deren Mitte der See lag. Sogar Gaius erkannte sofort, dass mit dem Gewässer etwas nicht stimmte: schwarz lag die Oberfläche und glänzende Schlieren lagen darauf. Er begutachtete das Ufer und überlegte, wo sie den Wassergeist am besten herauslocken könnten, so dass ihm noch genug Platz für einen berittenen Lanzenangriff blieb. Während er mit Peithan verschiedene Strategien diskutierte, ging Cadfaennan das Ufer entlang.
Cadfaenannas Vision "Was ist denn da los?", fragte Peithan und wies über den See.
Gaius sah, dass dort sein Knappe mit ausgestrecktem Arm regungslos im Wasser stand und auch auf Zurufe nicht reagierte. Peithan rannte los, und Gaius lief ein paar Schritte zu seinem Pferd und ritt auf die andere Seite des Sees. Im vollen Gallopp ließ er sich aus dem Sattel gleiten, zog sein Schwert und sprang neben Cadfaennan ins Wasser. Doch im Wasser war kein Gegner zu erkennen. Da der Junge immer noch nicht reagierte, umfasste Gaius ihn mit seinem linken Arm und zog ihn Schritt für Schritt zum Ufer, während er ihren Rückzug mit dem Schwert absicherte. Erst als sie einige Meter Grasland zwischen sich und das Ufer gebracht hatten, ließ er Cadfaennan los und sah ihm prüfend ins Gesicht. Denn unter dem nassen Waffenrock hatte Gaius deutlich gespürt, dass sein Knappe kein Junge war, sondern seine weiblichen Formen bisher nur gut unter männlicher Kleidung verborgen hatte – warum auch immer. Ihre Augen waren weit aufgerissen, und sie starrte auf einen Punkt, der sich irgendwo hinter Gaius' Schulter befinden musste. Vorsichtig griff Gaius nach ihren Schultern und schüttelte sie vorsichtig, um sie aus ihrer Starre zu lösen. "Cadfaennan?" Er überlegte, wie wohl ihr richtiger Name war. In dem Moment kamen Peithan und auch Bruder Domenicus an, und Gaius beschloss, seinen Knappen später auf seine Tarnung anzusprechen.
Cadfaennan blinzelte und kam langsam zu sich.
"Was hast du gesehen?", fragte Peithan.
Das Gasthaus
Eintreffen im Gasthof. Das Mädchen Anna. Domenikus und die Drehleier. Cadfannens Visionen. Der gute Wein und seine Herkunft.
Nachts: Gespräch auf dem Zimmer mit Gaius und Cadfannen.
Cadfannen hört die Musik und geht in den Keller. Gaius folgt, und sie treffen auf den Wirt.
Der Plan
Noch vor Sonnenaufgang bereiteten sie sich für den Kampf vor. Die meisten Gäste des Goldenen Horn verpassten den prächtigen Anblick. Gaius in voller Rüstung, Cadfaennan im Waffenrock, mit mehreren Lanzen, die Pferde geschützt durch lederne Brustharnische und geschmückt mit blau-weißen Schabracken. Leopold, der Esel von Bruder Dominicus, trug ein aufgewickeltes Netz, mit dem sie den Avanc daran hindern wollten, in den See zurück zu kehren. Auch der Seneschall hatte sich gerüstet.
Im ersten Morgenlicht erreichten sie den Felsüberhang, wo sie sich mit Peithan verabredet hatten. Der Druide saß im Schneidersitz vor einem kleinen Feuer und schien angenehm überrascht, sie so früh zu sehen.
"Guten Morgen!", grüße Gaius gutgelaunt. "Dann wollen wir der Bestie mal den Garaus machen!"
"Steigt doch erst mal ab, damit wir die Sache besprechen können", schlug Peithan vor. "Möchtet ihr auch eine Tasse Tee?"
Kurze Zeit später saßen sie wieder an ihrem alten Rastplatz.
"Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee ist, den Avanc jetzt zu töten.", eröffete Peithan das Gespräch.
Gaius sah ihn konsterniert an. "Warum denn nicht? Wir hatten einen Plan, gestern, den wir heute in die Tat umsetzen wollen. Was hat Eure Meinung geändert?"
"Ich weiß nicht, was geschehen wird, wenn wir es tun. Der Avanc ist ein Geist, der die Form eines riesigen Bibers gewählt hat, um auf dieser Welt zu sein. Wenn wir nun diesen Körper töten, was passiert dann mit dem Geist?"
"Soll er doch zurück in die Hölle, aus der er gekommen ist", entgegnete Gaius. "Auf jeden Fall wird er dann hier kein Unheil mehr anrichten."
"Er könnte in ein anderes Wesen fahren, wenn ihr ihn tötet. Zum Beispiel in Euer Pferd. Solange der gute Geist dieses Sees – die Dame in den grünen Gewändern – nicht wieder hier ist, um ihren Anspruch wieder zu erneuern und den Geist zu vertreiben."
Gaius hatte keine Lust, hier unverrichteter Dinge wieder zu gehen. Ein Druide wusste allerdings wesentlich mehr über dieses Land und seine Geister als er, und die Vorstellung, das ein solcher Geist Ceincaled besetzen könnte, verursachte ihm Magenschmerzen. "Was schlagt ihr stattdessen vor?"
"Wir müssen zuerst diese Dame finden", meinte Peithan.
"Ich habe eine Idee, wo sie sein könnte", sagte Bruder Domenikus. Und dann erzählten Cadfaennan und er von dem Mädchen Anna und seinen seltsamen Augen.
"Ich möchte auf jeden Fall einen Blick auf das Mädchen werfen", sagte Peithan. "Vielleicht gehe ich zunächst alleine ins Gasthaus. Ihr könnt später nachkommen. Ich werde dann in der Gaststube sitzen. Wenn ich Harfe spiele, dann ist sie es. Wir sollten sie dann auf jeden Fall zum See bringen, bevor wir uns um den Avanc kümmern.
Gaius war zwar immer noch ärgerlich ob der Verzögerung des Plans. Er kam sich bei dieser ganzen mystischen Geschichte sowieso etwas fehl am Platze vor, und hätte gerne etwas zur Problemlösung beigetragen. Etwas, wofür man einen Ritter brauchte. Aber er hörte auf den Rat des Druiden – soviel hatte er in seinen Reisen zusammen mit Dylan gelernt.
Gespräch Cadfaennan – Gaius, sie schlägt vor, doch den Avanc anzugreifen, Gaius lehnt ab.
Der Weinkeller
Als sie die Gaststube des Güldenen Horn betraten, hörten sie die Harfenklänge. Peithan spielte gedankenverloren in einer Ecke. Sie setzen sich an einen anderen Tisch und ignorierten den Druiden, denn niemand wusste, dass sie sich kannten, und diesen Vorteil wollten sie nicht unnütz aus der Hand gehen.
Der Seneschall rief den Wirt an ihren Tisch und fragte, wie es um seine Vorräte bestellt wäre. "Wir feiern bald ein Turnier auf der Roten Burg", erklärte er, "und ich müsste wissen, wieviel ich gegebenenfalls von Euch dazu kaufen könnte, sollte es bei meinem Herrn zu einem Engpass kommen. Am besten gehen wir runter in den Weinkeller, und ich mache mir selbst ein Bild von der Lage."
Der Wirt versuchte noch, diese Besichtigung abzuwenden, doch als auch Gaius begeistert den Vorschlag des Seneschalls aufnahm, um einen Blick auf das Wappen der Weinfässer zu werfen, konnte er nicht mehr Nein sagen.
Sie gingen die Kellertreppe hinunter, der Wirt schloss die schwere Eichentür auf und ließ sie hindurch. Doch kaum, da sie im Keller waren, warf er sie zu und wollte sie einschließen. Cadfaennan warf sich geistesgegenwärtig gegen die Tür, so dass sie wieder aufschwang, und der Wirt floh die Treppe hinauf. Cadfaennan sprang ihm hinterher, Gaius folgte ihm auf dem Fuß und zog sein Schwert. Am oberen Treppenabsatz blieb der Wirt plötzlich stehen, und Cadfaennan brachte von hinten zu Fall. Der Wirt zog sein langes Messer aus dem Gürtel und stach es tief in die Seite des Knappen, doch dann sauste Gaius Schwert herab. Im letzten Moment gelang es dem Ritter noch, die Klinge zu drehen, so dass er ihm nicht den Schädel spaltete, sondern ihn mit einem flachen Hieb ins Reich der Träume schickte. Und am Ende des Gangs erkannte Gaius, was den Wirt aufgehalten hatte: dort stand eine Frau von überirdischer Schönheit, wutentbrannt, mit grünen Haaren und glühenden Augen. Doch im nächsten Moment verblasste das Trugbild und verschwand so plötzlich, wie es gekommen war. Gaius fiel auf die Knie, drehte Cadfaennan vorsichtig zur Seite und presste seine Hand auf die tiefe Wunde, die das Messer gerissen hatte. Warum war er nur nicht schneller die Treppe herauf gekommen? Warum war sie nicht einfach aus dem Weg gegangen? Wenn er nur etwas schneller die Treppe herauf gekommen wäre … In diesem Moment erschien Peithan: "Was ist mit dem Wirt?"
"Vergiss den Wirt. Cadfaennan ist schwer verletzt."
"Zur Seite."
Gaius gehorchte dem Druiden sofort, und betete, dass Peithan über irgendwelche wundersamen Heilungskräfte verfügte – auch wenn das nicht besonders christlich war. Aber Cadfaennan war in seine Obhut gegeben worden, und er wollte sich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn er ohne den Knappen nach Cairleon zurückkehren würde.
Seneschall kümmert sich um den Wirt und die Leute.
Bruder Domenikus hatte derweil mit Anna die grünen Steine gefunden.
Alle gehen zum See.
Der Kampf
Großer Abschlusskampf am See: das Seil zum Netz reißt, Cadfannen ersticht mit der Lanze beinahe das Biest, und der Seneschall gibt ihm den Rest.
Gaius kommt nicht richtig zum Zuge, und reitet frustiert davon, antwortet nicht auf die Frage der Nymphe, was er sich wünsche – insbesondere auch, weil sie ihn mit "Gawen" anspricht.
Cadfannen erhält einen Glasdolch.
Das Turnier
Cadfannan kämpft im Turnier auf der Roten Burg mit
Das Mädchen
Weiterreise nach Chester. Gespräche zwischen Gaius und Cadfannen.