De juvenis Gaio Secundo
Vor seiner Geburt
Der römische Patricier und Offizier Claudius Severus verliebt sich in eine schöne Keltin. Da er ihren Namen nicht aussprechen kann, nennt er sie Helena und erzählt ihr die Sagen Trojas ... [many romantic stuff deleted] Nach seiner Militärlaufbahn läßt er sich mit Helena in Aquae Sulis, dem heutigen Bath nieder und baut eine römische Landvilla, mit Bädern, Stallungen, Gebäuden für die Bedienstete usw. Er gründet einen florierenden Tuchhandel, mit der Zeit entwickelt sich Bath zu einem bedeutendem Marktort des englischen Tuchhandels.
0-10 Jahre
Als Gaius, sein erster Sohn, drei Jahre alt ist, bekommt Helena ihr zweites Kind, das er auch Gaius nennt (sicherheitshalber, die Kindersterblichkeit ist ja so hoch). Zur Unterscheidung erhält er den Namen Secundus (der zweite). Gaius selbst entwickelt sich bald zum Traum eines Römers, er lernt schnell und vergöttert seinen Vater, der ihn zurecht meist Primus ruft. Helena nennt Gaius Secundus jedoch Gawen. Sie ist inzwischen zum Christentum konvertiert, allerdings nicht ganz: Sie betet zur Göttin in ihrer Erscheinung als Maria, sie läßt die Felder und Stallungen zur Sonnenwende von Priesterinnen segnen und sie ist in vielen Dingen bewandert, von denen Claudius Severus lieber nichts wissen will... Während Gaius, der ältere Primus, sich den "Weibern" entzieht und bei den Männern des Vaters rumhängt, kümmert sie sich um den eher zurückhaltenden Gawen. Sie ist es auch, die ihm sein erstes Roß schenkt: "Wish", ein Pony, das er abgöttisch liebt und mit denen er Streifzüge zu den verborgenen und verwunschenen Stellen des Avon unternimmt. Auch nach der Geburt seines zweiten Bruders Gaius Tertius und seiner Schwester ändert sich nichts an dem guten Verhältnis zu seiner Mutter. Im Alter von 10 Jahren stirbt Helena bei der Geburt seiner zweiten Schwester. Gawen ist untröstlich. Er versteckt sich mit Wish vier Tage im Wald, bis sein Bruder Primus ihn findet und heimschleppt.
11-14 Jahre
Nun beginnt eine harte Zeit. Während sein Bruder zum Ritter ausgebildet werden soll, versucht der Priester der Familie, den Jungen zum Christen zu erziehen, nachdem er dem schädlichen Einfluß seiner Mutter entzogen wurde (die dem Pater nie ganz koscher war :-)). Er lernt lesen, schreiben, ordentliches Latein und seinem älteren Bruder geschickt aus dem Weg zu gehen. Er treibt sich, wenn es geht, in den Stallungen herum. Allerdings muß er, wenn er aufzufinden ist, als Sparringparnter bei Primus' Ausbildung herhalten und eine Menge einstecken, da er einen Kopf kleiner, viel leichter und schwächer als sein Bruder ist.
Gaius Secundus haßte seinen Namen. Sein älterer Bruder hieß Gaius, sein jüngerer Gaius Tertius. Sein Vater nannte seine Söhne nur bei ihrer Nummer: Secundus, der Zweite. Die anderen sagten Sec. Seine Mutter hatte ihn Gawen genannt, das gefiel ihm besser, es klang nach den dunklen Wäldern, die sich am Rand des Avontals erstreckten. Aber sie war tot, und nun war er Sec. Wenn er in den warmen Bädern von Bath lag und den Geschichten seines Vaters von Rom, von großen Bauten, geistvollen Rednern, glanzvollen Kaisern und Wundern der Menschheit hörte, dann war er stolz darauf, ein Römer zu sein, die die Zivilisation und die pax romana in die Welt brachten und sie beschützten, Sohn eines berühmten Patriciers, und es überkam ihn eine Sehnsucht nach steingemauerten Städten mit Wasserleitungen unter südlicher Sonne. Bis sein Vater nach den Schwärmereien aus alten Zeiten auf die Gegenwart zusteuerte und über die Dekadenz und die Unfähigkeit schimpfte, die zur Eroberung von Rom durch die Goten führte und dazu, daß Britannien nunmehr die letzte Bastion zivilisierten Lebens sei und deshalb römische Tugenden wie discisplina und ... ... und dann hörte er meist nicht mehr zu, sondern senkte die Augenlider und ließ seinen Blick auf dem Körper eines blonden, gut gewachsenen Jungen ruhen, der am anderen Ende des Bades gerade seinen Bruder massierte.
15 Jahre
Gaius Primus verläßt den Hof, um an den Hof von Artus zu ziehen. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit von Claudius Severus auf seinen Zweitgeborenen, Gaius Secundus, den alle Sec nennen. Er bemerkt, daß der Junge bisher seine Übungen nicht besonders gut gemacht hat und beginnt, ihn solange mit dem Übungsschwert zu verdreschen, bis er sich wehren kann. Ein hartes Jahr...
16 Jahre
Claudius Severus reist mit seinen Söhnen nach Caer Leon, da sein Erstgeborener Gaius zum Ritter geschlagen werden soll. Sec sieht zum ersten Mal den König Artus. Für Sec ein unvergeßliches Erlebnis. Er faßt den Beschluß, auch ein Ritter zu werden (bisher wollte das nur sein Vater), um diesem wunderbaren König nahe zu sein. Zu dem Fest ist auch Marcus Gallus erschienen, ein alter Kamerad seines Vaters. Er kehrt vom einer langen Reise über das Festland zurück, war unter anderem auch in Spanien, wo die Wandalen wunderbare Pferde züchten, von denen er eines mitgebracht hat: den niemals gerittenen Hengst Glorowin. Marcus Gallus zieht auf dem Hof von Claudius Severus ein und sie beginnen eine erfolgreiche Zucht mit Glorowin und Claudius' besten Stuten.
17-18 Jahre
Sec hat sich etwas in den Kopf gesetzt. In einem Alter, in dem andere Jungen den Dorfschönen auflauern, ist Sec entweder beim Schwertkampf, beim Lanzenstechen oder beim Waldlauf. Sein Vater ist begeistert und schenkt ihm den ersten Nachkommen Glorowins: "Ceincaled", den Sec jedoch heimlich immer "Primus" ruft :-). Nun trainiert er zusätzlich noch unter der Anleitung von Marcus das Fohlen. Mit langen Zügeln und dünnen Gerten lernt Ceincaled, die jugendlichen Kapriolen zu den Bewegungen zu vervollkommnen, die ein Pferd zur Waffe machen, wenn es im Kampf eingesetzt wird: ausladende Schritte, Luftsprünge mit Auskeilen, die dem Ritter Platz verschaffen und ihm den Rücken freihalten.
19 Jahre
Ceincaleds dritter Sommer hat begonnen. Marcus sagt, da Sec so klein und leicht ist, könne man damit beginnen, das Pferd an den Reiter zu gewöhnen. Ohne Sattel und Zügel trägt Ceincaled Sec bald durch das Avontal, die beiden werden ein perfekt eingespieltes Paar. Im Winter setzen Marcus und Claudius nun zusammen, was sie bisher getrennt entwickelt hatten: Ceincaled, das andalusische Schlachtroß, und Sec, den Ritter mit Schild, Schwert und Lanze. Aus dem zierlichen Gawen ist nun ein völlig neuer Sec geworden: er ist zwar immer noch nicht besonders stark, aber ungemein zäh und geschickt geworden.
In den letzten drei Jahren hatte Sec so viel zu tun, daß er abends todmüde aufs Lager fiel. Wenn er die Augen schloß, sah er den König vor sich, wie er die Versammlung betritt, sich das Fackellicht in seinem blonden Schopf bricht, und er nach dem öffentlichen Auftritt sich zu seinen engsten Vertrauten setzt und ihnen dieses Lächeln schenkt... Was würde Sec nicht dafür geben, wenn dieses Lächeln einmal ihm gälte...
20 Jahre
Sec ist nun 20. Sein Vater meint, es wäre Zeit, ihn am Hofe Artus' einzuführen, und plant einen pompösen Einzug. Sec redet ihm das aus, er möchte den Weg alleine gehen. Sein Vater, dessen Gesundheitszustand nicht mehr der beste ist, läßt sich von Marcus, der mittlerweile etwas außerhalb von Aquae Sulis wohnt, dazu überreden, ihn alleine ziehen zu lassen, läßt es sich aber nicht nehmen, ihn mit einer wahrhaft ritterlichen Ausrüstung auszustatten. So zieht Sec aus Bath aus. Er faßt einen Entschluß. Statt direkt nach Caer Leon zu reiten, macht er halt beim Haus von Marcus Gallus, der neben seinem Lehrer auch sein bester Freund ist. Dort gibt er fast alle Ausrüstung in Verwahrung bis auf Ceincaled und den Dolch seiner Mutter, den er stets verdeckt am Körper trägt. In schlichter, aber ordentlicher Reitkleidung, die seine Herkunft nicht verrät, macht sich nun auf zum Hof von König Artus. Warum? Es gibt mehrere Gründe: - Er will von seinem Bruder nicht erkannt werden - - Er möchte nicht durch seinen Rang, sondern durch seine Taten zu Ehren kommen (selbstverständlich ist er davon überzeugt, das zu schaffen) - Er möchte zunächst die Gegebenheiten und Regeln am Hofe studieren, bevor er sich zu erkennen gibt (erst schauen, dann denken, dann handeln) - Und vor allem: er hat gehört, daß Ritter zunächst oft unterwegs sind. Er will aber in der Nähe des Königs sein, des Mannes, der sich immer noch an die Tafel setzt und lächelt, wenn er abends die Augen schließt...
- (und natürlich kommt alles ganz anders)